Eric Lindstrom, Creative Director bei Tomb Raider: Underworld, sinniert in seinem bislang einzigen Blogartikel über Lara Crofts Charakter. „Wer ist die wahre Lara Croft?“, lautet die Leitfrage. Von Anfang an habe Lara Croft dieselben Charaktereigenschaften besessen. Lindstrom zählt derlei vier: Charakterstärke, Furchtlosigkeit, Unabhängigkeit und Zielstrebigkeit. Charakteristisch findet er ferner ihre athletischen Fähigkeiten und die Tatsache, dass sie ihre Attraktivität nie als Waffe einsetzt. Die schöne Selbstbewusste habe das nicht nötig, weil sie so viele andere starke Attribute besitzt. Ihre Schönheit übrigens, die ist naturgegeben – die hat sie einfach. Und sie ist nichts, worüber Lara sich selbst definieren würde. Von all diesen Eigenschaften seien ihre Stärke und ihre Unabhängigkeit am markantesten, vermutet Lindstrom. Sie seien auch das „Geheimnis ihres unsterblichen Reizes“, weil es Eigenschaften sind, die jeder Mensch bewundert.
Wenn Lara in allen Teilen ihrem Charakter treu geblieben ist, was hat sich dann an ihr verändert? An ihr nichts, so Lindstrom. Verändert hat sich die Wahrnehmung der Menschen. Für manche ein Star, für andere ein Anti-Held, weil Gräber plündern was Freches ist. Dazwischen gibt es wohl so viele Abstufungen, wie es Fans gibt. Jedem seine Lara.
Ich frage mich: Was macht Lara zum Elvis? Andere Helden, vor allem Spielhelden, sind längst nicht so vielseitig. Und wie kommt es, dass einige Fans seit der Markenübernahme durch Crystal Dynamics klagen “Das ist nicht mehr dieselbe Lara!” Wohl haben die neuen Macher Laras Persönlichkeit gut durchschaut und beteuern, dass sie Laras altbewährten Attributen – Stärke und Unabhängigkeit – treu geblieben seien. Die Frage ist also: Wieso nehmen wir die „neue Lara“ anders wahr? Ich denke, die Antwort ist auf beide Fragen gleich. Projektion heißt das Zauberwort.
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