Reviewer-Interview 6 – Jay



Im sechsten Teil unserer Interview-Serie stellen wir mit Jay aus England eine weitere Top-Reviewerin von trle.net vor. Jay zeichnet inzwischen für über 920 Reviews.

q.: Wie bist du zu TR und den Custom Levels gekommen?
Jay: Das geschah rein zufällig. Im Zusammenhang mit den offiziellen TR-Spielen stieß ich beim Surfen im Internet auf die Seite von “Die Chronik”, wo es eine Sparte gab namens “Custom Level des Monats”, was ich natürlich gleich näher untersuchen musste. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich die offiziellen TR-Teile derart oft gespielt, dass ich ihrer schon ein wenig überdrüssig wurde, doch eine Weile ganz ohne Raiding löste bei mir schon Entzugserscheinungen aus. Als ich meinen ersten Custom Level spielte (Hokolo’s Deep in the Jungle), dachte ich, ich wäre gestorben und bereits im Himmel.

q.: Seit wann spielst du Custom Levels?
Jay: Ich denke, das muss mindestens 6 Jahre her sein.

q.: Was gefällt dir ausgerechnet an TR?
Jay: TR ist einmalig, mit nichts zu vergleichen. Vermutlich liegt das an Laras allgemeiner Anziehungskraft und deren Wirkung auf sämtliche Altersgruppen, Nationalitäten usw. Für mich besteht ein Großteil ihrer Anziehung in der Bewegungsvielfalt, was überaus ausgeklügelte Abläufe ihrer ganzen Agilität ermöglicht, welche es freilich bei der offiziellen Lara gar nicht mehr gibt. Aus diesem Grund lebt die wirkliche Lara Croft für mich im Reich der Custom Levels.

q.: Welche Spiele magst du außerdem?
Jay: Da ich in der Regel eher ein Fan von Rätseln bin, wurde ich früher schon von Spielen wie der “Broken Sword”-Serie angezogen. Und dass die guten alten “Point-and-Click”-Abenteuerspiele inzwischen verschwunden sind, bedauere ich.

q.: Was ist beim Spielen von TR und Custom Levels für dich das Wichtigste?
Jay: Ich mag einen gut aussehenden, atmosphärischen Level mit ausgeglichenem Gameplay, und ich werde ziemlich sauer, wenn Level zu dunkel sind. Am liebsten sind mir die Rätsel und ich ziehe überlegt eingesetzte Gegner solchen, die bloß zu “Shooter”-Zwecken dazugegeben wurden, vor.

q.: Verwendest du Cheats oder sonstige “Spielbeschleuniger”?
Jay: Grundsätzlich versuche ich einen Level so zu spielen, wie es der Autor wollte. Allein mit einer unbegrenzten Menge an Fackeln versorge ich mich jedoch, falls ein Level den Savegame Editor unterstützt. Ich halte das auch weniger für eine Form des Mogelns, sondern eher für eine des Zeitsparens, denn das ständige Herumleuchten und Neuladen kann irritierend sein. Und vermutlich kann man es auch als Mogeln bezeichnen, wenn ich meinen Mann bitte, die Zeitaufgaben für mich zu erledigen, die ich nicht schaffte.

q.: Suchst du Hilfe in Foren?
Jay: Ständig ** seufz ** Nein, im Ernst, wie könnten wir alle ohne die Hilfethreads zurechtkommen?

q.: Wann und wie oft verwendest du Walkthroughs?
Jay: Fast nie. Ich versuche mit meinen Reviews so aktuell wie möglich zu sein, d.h. ich spiele neue Level, für die es noch keine Walkthroughs gibt.

q.: Wie bewertest du für dich Geschicklichkeit und Ausdauer?
Jay: Nun, da ich wohl mehr als tausend Level gespielt habe, kann ich wahrscheinlich als “erfahren” bezeichnet werden, obwohl das nicht unbedingt das Gleiche ist wie “gut”. Sicherlich würde ich mich selbst bezüglich Geschicklichkeit nicht zu den ersten 10 Prozent rechnen. Meine Ausdauer ist solange gut, bis sie auf einige dieser unmöglichen japanischen Level trifft, bei denen ich vollständig kapituliere.

q.: Wie hoch würdest du deine Frustrationstoleranz einschätzen?
Jay: Ich denke, dies hängt im Wesentlichen davon ab, wie mir ein Level gefällt. Ich bekenne, kein großer Fan von Shootern zu sein – also bedeutet das für mich: Die Zähne zusammenbeißen und durch, so gut es geht.

q.: Stellst du dich Zeitaufgaben und schwierigen Sprüngen oder brichst du deshalb Level ab?
Jay: Meistens mag ich sie, weil ich sie als “die Würze” eines Levels betrachte, so lange sie nicht in Extreme ausarten, denn ich habe keine Lust, etliche Stunden damit zu verbringen, einen millimetergenauen Sprung hinzubekommen, um sofort danach erneut mit einer solchen Aktion konfrontiert zu werden (ja, CIL, ich rede über Dich).

q.: Welche Rolle spielt eine zugrunde liegende Geschichte bzw. die Dramaturgie der Spielhandlung?
Jay: Ich schätze eine gut durchdachte Geschichte. Wenn sie mit einem guten Gameplay einhergeht, kann dies mit Sicherheit das Spielerlebnis steigern.

q.: Wann hast du mit dem Schreiben von Reviews angefangen und was waren deine Motive?
Jay: Da musste ich nachschauen. Offenbar war es im März 2003. Wow, wie die Zeit vergeht, wenn man Spaß hat! Ich begann mit dem Reviewen, weil ich darin eine Möglichkeit sah, der wunderbaren Community etwas zu geben. Ich wusste, dass ich nie das Talent haben würde, einen Level zu bauen, und würde ich einen Walkthrough schreiben, käme dabei bloß eine Meisterstunde im Aufzeigen dessen heraus, wie man Dinge auf dem denkbar umständlichsten Weg erledigt und zugleich die meisten Secrets übersieht; deswegen schien mir das Schreiben von Reviews die sicherste Möglichkeit.

q.: Reviewst du jeden gespielten Level oder nur ausgewählte?
Jay: Meiner Meinung nach habe ich, nachdem ich mich entschieden habe, Reviewerin zu werden, das Recht aufgegeben, bloß die Rosinen herauszupicken; daher versuche ich, jeden neu veröffentlichten Level zu spielen und zu reviewen. Von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen.

q.: Richtet sich dein Review eher an die Levelbauer oder an die Spieler?
Jay: Da meine Unkenntnis der Levelbautechnik geradezu enzyklopädisch ist, richten sich meine Reviews zwangsläufig an die Spieler.

q.: Wie weit willst und kannst du deiner Meinung nach persönliche Vorlieben und Eindrücker dem Kriterium Objektivität unterordnen? Kann ein Review deiner Meinung nach überhaupt objektiv sein oder bekennst du dich zu Subjektivität?
Jay: Oh, meine Reviews sind völlig subjektiv. Ich versuche zwar fair zu sein, aber tatsächlich kann ich nur sagen, ob mir ein Level gefallen hat oder nicht und ob ich ihn für gut gemacht halte. Die Kommentare von Reviewern, die gleichzeitig auch Bauer sind, haben mich immer schon fasziniert, denn sie verfügen offenbar über eine besondere Sicht in den ganzen Prozess und bemerken Dinge, an die ich niemals gedacht hätte.

q.: Bist du mit deinen geschriebenen Reviews zufrieden oder würdest du, wenn du könntest, nach Wochen oder Jahren diese ändern?
Jay: Wie bereits erwähnt, verfüge ich nicht über das technische Wissen, um einem Level eine tiefe und bedeutungsvolle Kritik zuteil werden zu lassen. In erster Linie versuche ich in hoffentlich einfacher Weise Menschen ein Gefühl dafür zu vermitteln, ob sie einen Level vielleicht spielen wollen oder nicht. Ich lese kaum welche meiner alten Reviews, doch kann ich mir nicht vorstellen, etwas Bestimmtes daran ändern zu wollen. Vielleicht würde ich, wenn ich einen Level heute wieder spiele, ein anderes Review schreiben, denn sie reflektieren stets das jeweils aktuelle Empfinden.

q.: Hast du auch im Real Life etwas mit Schreiben zu tun?
Jay: Nein, es sei denn, man zählt das E-Mail-Schreiben an Freunde auch dazu.

q.: Liest du Bücher? Wenn ja, welche Art von Literatur bevorzugst du?
Jay: Seit meiner frühen Kindheit bin ich eine eifrige Leserin und ich mag alle Arten von Literatur, wenngleich ich eine besondere Vorliebe für das Genre Science fiction und Horror habe.

q.: Wie alt bist du?
Jay: Ich bin 58. Du siehst, was ich mit Lara’s Anziehung für alle Altersgruppen meine.

q.: Welchen Beruf übst du aus?
Jay: Inzwischen bin ich pensioniert, doch 30 Jahre lang war ich die Sekretärin eines Bankmanagers, was wohl meinen tief verwurzelten Bedarf nach Realitätsflucht erklärt. Danke Lara.

q.: Jay, ich bedanke mich ganz herzlich für deine Mitarbeit.

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