Reviewer-Interview 9 – Doro
Das neunte Interview unserer Serie widmet sich wieder einer Spielerin von Laras Levelbase. Mit einer Bilanz von mehr als 280 Reviews, die in nur drei Jahren entstanden sind, zählt Doro zu den aktivsten Reviewerinnen der Levelbase.
q.: Wie bist du zu TR und den Custom Leveln gekommen?
Doro: Als ich im vorigen Jahrtausend anfing, mich mit dem Computer zu beschäftigen, war ich erst mal voll damit ausgelastet, alles Mögliche über Windows und alle Office-Anwendungen, auch von Lotus und Open Office, zu lernen. Damals gab es auch noch richtigen Pioniergeist bei den Programmierern, was uns jede Menge der verschiedensten Freeware-Programme auf den Heft-CDs der Computer-Zeitschriften beschert hat. Die ich natürlich alle ausprobieren musste und dann einen ständigen Kampf gegen das Chaos auf meinem Rechner hatte. Am meisten Spaß hatte ich mit Bildbearbeitungs-Programmen. Für das Spielen am Computer hatte ich damals noch gar keinen Sinn. Doch eines Tages sah ich Tomb Raider 2 und 4 für jeweils 20 DM im Angebot… Für meinen ersten Versuch über “Die große Mauer” in TR 2 zu kommen, habe ich dann allerdings drei Wochen gebraucht. Und für jedes Tomb Raider-Spiel mehrere Monate. Als ich mit allen TR 1-5 durch war, war meine Begeisterung nicht mehr zu bremsen und ich habe mich ins Internet aufgemacht, um mir den Level Editor und Customlevel zu besorgen.
q.: Seit wann spielst du Custom Level?
Doro: Seit etwa fünf Jahren.
q.: Was gefällt dir ausgerechnet an TR?
Doro: Dass man eine weibliche Hauptfigur mit erstaunlichen Bewegungsmöglichkeiten durch die fantastischsten und abenteuerlichsten Umgebungen steuern kann.
q.: Welche Spiele magst du außerdem?
Doro: Auf dem Computer habe ich es auch mal eine Weile mit dem “Prince of Persia” versucht. Ansonsten immer wieder gern Mahjongg-artige Spiele.
q.: Was ist beim Spielen von TR und Custom Level für dich das Wichtigste?
Doro: Atmosphäre, Rätsel, und dass meine Lara sich so wenig wie möglich wie eine ungeschickte, lebensmüde Idiotin aufführt. Reichlich viele ungewöhnliche, reizvolle Sprungübungen machen einen Level für mich erst richtig schön. Lara kann mehr als nur Schlüssel aufheben, Hebel ziehen und Blöcke schieben. Man sollte ihre akrobatischen Fähigkeiten möglichst oft fordern.
q.: Verwendest du Cheats oder sonstige “Spielbeschleuniger”?
Doro: Selten. Nur, wenn ich einen Level sonst nicht bis zum Ende spielen kann. Dann erwähne und begründe ich das jedoch auch in meinem Review. Am Korrektesten wäre es natürlich, den Level dann abzubrechen und kein Review zu schreiben. Nur, was nützt das den vielen Spielern, die sich frohgemut den Level herunterladen und dann verärgert an denselben Stellen abbrechen müssen. Denen möchte ich im Review gern Entscheidungshilfe geben. Na ja, eine Mogel-Schwäche gebe ich noch zu. Ich besorge mir auch schon mal den Revolver mit viel Munition, wenn ich merke, dass das Gameplay hauptsächlich darin besteht, sich hinter jeder Ecke minutenlang nur mit den Pistolen gegen Gegner wehren zu müssen. Durch den vermehrten Einsatz von TREP werden die Mogel-Möglichkeiten jedoch auch immer mehr eingeschränkt.
q.: Suchst du Hilfe in Foren?
Doro: Ungern. Besonders nicht, wenn ich mich dann durch sehr viele Seiten mit vielen Nebensächlichkeiten lesen muss.
q.: Wann und wie oft verwendest du Walkthroughs?
Doro: Nur, wenn ich absolut nicht weiter weiß, was bei manchen unübersichtlichen Leveln mit vielen Versteck-Spielchen und den meisten Mehrteilern leider früher oder später bei mir der Fall ist. Das richtige Abenteuer-Gefühl und die Freude daran, mit Überlegung und Geschick alles selbst herausfinden zu können, ist dann aber irgendwie nicht mehr dasselbe, sobald ich mal fremde Hilfe in Anspruch genommen habe. Lara muss sich ja auch allein durch den Dschungel oder das Geisterschloss kämpfen, ohne an jeder unsicheren Stelle per Handy nach dem Weg zu fragen.
q.: Wie bewertest du für dich Geschicklichkeit und Ausdauer?
Doro: Hoch. Wenn ein Level so gut konstruiert ist, dass es Spaß macht, vieles mit möglichst viel Geschick auszuprobieren, kann ich auch sehr ausdauernd sein.
q.: Wie hoch würdest du deine Frustrationstoleranz einschätzen?
Doro: Nicht hoch. Wenn ich beim 20., 40. oder 60. Versuch, je nachdem, beschließe, dass sich weiterer Aufwand nicht lohnt, weiß ich, dass ich, wenn es mir beim 61. Mal doch aus Versehen gelingen sollte, ich keine Freude mehr daran haben werde. Ich möchte nicht jeden Blödsinn mitmachen, den sich ein Levelbauer ausdenkt.
q.: Stellst du dich Zeitaufgaben und schwierigen Sprüngen oder brichst du deshalb Level ab?
Doro: Innerhalb eines abwechslungsreichen und harmonisch zusammengestellten Spielverlaufs stelle ich mich ihnen gern, so gut ich es kann. Bei längeren Leveln versuche ich aber, mich in hoffentlich schon vorhandenen Reviews darüber zu informieren. Wenn ich dann lese, es gibt viele Timeruns, lasse ich lieber gleich die Finger von dem Level. Zum Abbrechen: Wenn ich, sagen wir mal, 80% eines Levels gespielt habe und dann plötzlich auf eine mir zu schwierige Stelle stoße, dann will ich auch bis zum Ende kommen, mit allen Mitteln. Obwohl ich dann sauer bin, dass dem Designer erst so spät einfällt zu zeigen, dass er auch hardcoremäßig bauen kann.
q.: Welche Rolle spielt eine zugrunde liegende Geschichte bzw. die Dramaturgie der Spielhandlung?
Doro: Wenn es in einer, z.B. Spukgeschichte eine Dramaturgie gibt, die ich beachten sollte, um sinnvoll durch den Level zu kommen, ist mir die Story auch wichtig. Ansonsten ist es mir ziemlich egal, warum Lara in einer bestimmten Gegend, wie immer, nach Artefakten sucht.
q.: Wann hast du mit dem Schreiben von Reviews angefangen und was waren deine Motive?
Doro: Vor gut drei Jahren. Der aktuelle Anlass war, dass die Levelbase die so genannte “Alte Sammlung” von mehreren hundert Leveln aufgenommen hatte, von denen sehr viele hier noch gar nicht reviewt worden waren. Einige Gute kannte ich schon. Und es machte mir sehr viel Freude, viele noch bislang unentdeckte Schätze auszugraben. Am liebsten schreibe ich nämlich über Level, zu denen es noch keine oder wenige Reviews gibt. Dann habe ich das Gefühl, dass ich vielen geneigten Spielern wirklich eine Art Hilfe bieten kann, wenn ich in meiner Besprechung einen Level empfehle oder davon abrate.
q.: Reviewst du jeden gespielten Level oder nur ausgewählte?
Doro: Eigentlich spiele ich nur noch ausgewählte Level. Und auch bei diesen fällt es mir merkwürdigerweise immer schwerer, sie zu reviewen. Ich verschiebe es oft von einem Tag auf den anderen, bis mir zu einigen Leveln dann leider gar nichts mehr einfällt. Spätestens seit meinem 250. Review habe ich das Gefühl, mich immer mehr in meinen eingefahrenen Floskeln zu verstricken.
q.: Richtet sich dein Review eher an die Levelbauer oder an die Spieler?
Doro: Hauptsächlich an die Spieler. Der Anteil der Levelbauer, die hier auf der Levelbase meine Reviews lesen, um ihnen Nützliches für ihre künftigen Baupläne daraus zu erfahren, ist nicht so groß, glaube ich. trle.net ist viel internationaler als wir. Sie sind sowieso bei Reviews und schon gar Walkthroughs viel fixer und fleißiger, da können wir nicht mithalten.
q.: Wie weit willst und kannst du deiner Meinung nach persönliche Vorlieben und Eindrücke dem Kriterium Objektivität unterordnen?
Kann ein Review deiner Meinung nach überhaupt objektiv sein oder bekennst du dich zu Subjektivität?
Doro: Wo hast Du denn für die Bewertung von Customleveln das Kriterium Objektivität ausgegraben, lieber Interviewer? Gibt es einen TÜV für die gebauten Räume, die Wandgestaltungen und die Beleuchtung? Und strenge Verkehrsregeln für das Gameplay durch den gesamten Level? Es haben sich natürlich im Laufe der langjährigen Reviewer-Tradition allgemein anerkannte Bewertungsmaßstäbe entwickelt. Diese Vorgaben kann man aber sehr weit auslegen, so dass für uns Reviewer viel Spielraum für unsere persönlichen Vorlieben und Eindrücke bleibt. Zum zweiten Satz dieser Frage: Ein Review ist immer eine persönliche Ansicht und somit subjektiv. Ja, und ich bekenne mich dazu, dass meine Review-Meinung zu einem Level nur meine Meinung ist. Sie kann auch von der der Mehrheit abweichen, ich muss dann halt begründen, warum ich etwas anders sehe als Andere.
q.: Bist du mit deinen geschriebenen Reviews zufrieden oder würdest du, wenn du könntest, nach Wochen oder Jahren diese ändern?
Doro: Mit den meisten bin ich zufrieden, würde aber heute hier und da um einen Punkt in der Bewertung abweichen. In zwei Fällen habe ich allerdings tatsächlich die Jury um die Änderung meines Reviews gebeten. Weil ich nämlich wegen eines Dead Ends und eines Bugs abgewertet hatte, die gar keine waren.
q.: Doro, ich bedanke mich ganz herzlich für deine Mitarbeit.
PS. Auf die (freiwilligen) persönlichen Fragen lautete Doros Antwort übrigens:”Mhhm, da müsste ich mal überlegen, ob ich da Angaben machen möchte. Kann ich erst noch mal etwa hundert Nächte darüber schlafen?”






