Reviewer-Interviews 14 – Zickenalarm


Mit dem vierzehnten und vorerst letzten Interview unserer Serie, die vor 3 Monaten mit Previewing the reviewers begonnen hat, stellen wir eine bemerkenswerte Levelbase-Reviewerin und Blog-Kollegin aus Deutschland vor. Bemerkenswert insofern, weil Zickenalarm, die erst seit 2005 Reviews schreibt, es binnen 3 Jahren auf inzwischen über 600 zum größten Teil auch noch umfangreiche Reviews geschafft hat, womit sie den Reviewer-Olymp der Levelbase erklommen hat.

q.: Wie bist du zu TR und den Custom Leveln gekommen? Seit wann spielst du Custom Level? Was gefällt dir ausgerechnet an TR? Welche Spiele magst du außerdem?
Zickenalarm: Oh… das ist eine wirklich laaaange Geschichte, die ich schon mal im alten Blog erzählt hatte. Dort werden auch die Fragen 2-4 gleich mit beantwortet.

Anmerkung: … und da der alte Blog ziemlich unzuverlässig mal on ist, dann wieder down… oder gehackt wurde, hier eine Zusammenfassung der Geschichte:

Ihr Bericht beginnt gleich viel versprechend mit dem Satz: “Es muss gegen Ende 1998 gewesen sein, als ich ziemlich oft bei einem sehr netten Bekannten zu Besuch war…” Jener “sehr nette Bekannte” demonstriert seiner Besucherin. die bis dahin nahezu nichts mit Videospielen am Hut hatte, seine neue Play Station ausgerechnet mit TR 3, erntet damit zunächst nur überlegenes Kopfschütteln über derartige Spiele im Allgemeinen und Lara Croft im Besonderen, doch er bleibt hartnäckig und einen Abend später wird das Kopfschütteln schon etwas zaghafter, um nach ersten Gehversuchen mit dem Controller gänzlich zu verschwinden. Miss Croft hatte ein weiteres Opfer am Wickel. Es folgten TR 1 und 2, nach Erscheinen gleich auch TR 4 und 5 – und die lange Durststrecke bis zum Erscheinen von AOD in 2003 überbrückte Zickenalarm mit anderen PS-Spielen wie “Resident Evil” und vielen anderen, allesamt in Spielsteuerung und -struktur Lara-ähnlich, um letztlich zu konstatieren: “Aber trotzdem: Keine ist wie Lara!”. Nach einer weiteren Durststrecke befasste sie sich, die bis dahin nur an der Play Station gespielt hatte, etwas intensiver mit PC und Internet. Auf der Suche nach Informationen über Lara landete sie dann 2004 auf der Seite von tombraidergirl, wo sie erstmals auf das Phänomen Custom Level stieß. Der “gute Bekannte” von damals, längst Lebenspartner und an TR nicht mehr interessiert, half beim Installieren des Level Managers, dann der erste Download (”Lara at the movies”) und irgendwann der erste Hänger… die Suche nach Hilfe… und alle Wege beim Surfen führen TR-Spieler zwar nicht nach Rom, aber zum Laras Levelbase Forum. Und dort konnte sie sich der Custom Levels nun noch viel intensiver annehmen…

q.: Was ist beim Spielen von TR und Custom Leveln für dich das Wichtigste?
Zickenalarm: Weniger wichtig sind mir meist die Secrets, ich suche sie eigentlich nur, wenn es dafür einen Bonus gibt. Die verbrauchten Medis sind mir auch egal, Hauptsache sie reichen aus. Ich staune immer wieder über Spieler, die sogar große Levelserien beenden, ohne auch nur ein einziges Medipack verbraucht zu haben. Meine Lara hat eher Kamikaze-Tendenzen und stürzt sich ständig irgendwo hinunter. Die Ambition, einen Level möglichst schnell zu beenden, fehlt mir auch. Viel lieber schaue ich mir schöne Gebiete ausgiebig an. Ich mag es, wenn ein Level schön und detailreich ausdekoriert ist und meine Lara sich so richtig darin wohlfühlen kann. Ein wichtiger Punkt ist für mich die Atmosphäre, wobei ich aber nicht ganz klar definieren kann, was diese eigentlich ausmacht. Es ist für mich eher so ein diffuses Spielgefühl. Wenn Lara einen Raum betritt und erstmal am Eingang mit offenem Mund stehen bleibt und staunt, dann ist die Atmosphäre gelungen. Natürlich tragen eine schöne Beleuchtung, aussergewöhnliche Objekte und der Sound eine Menge dazu bei. Der wichtigste Punkt ist aber das Gameplay. Wenn es logisch und gut strukturiert ist, nicht allzu schwer, abwechslungsreich und interessant ist, dann bin ich rundum zufrieden;-).

q.: Verwendest du Cheats oder sonstige “Spielbeschleuniger”?
Zickenalarm: Nein, ich bin lieber ehrlich zu mir selbst.

q.: Suchst du Hilfe in Foren?
Zickenalarm: Klar. Wenn ich an einer Stelle partout nicht weiter komme, dann kann ich mir sicher sein, dass auf der LB irgend jemand zur Stelle ist, der mir wieder auf die Sprünge hilft, mir die Tomaten von den Augen nimmt und meine Brille putzt. Außerdem macht es großen Spaß, wenn man gemeinsam spielt und sich immer mal wieder in den Hilfethreads trifft.

q.: Wann und wie oft verwendest du Walkthroughs?
Zickenalarm: Wenn es gerade keine Neuerscheinungen gibt, suche ich mir immer einen älteren Level zum Spielen aus. Es gibt noch sehr viele „Klassiker“, die sich noch auf meiner Liste befinden. Wenn ich dann an einer Stelle festhänge, ziehe ich schon mal einen Walkthrough zu Rate, weil es sehr mühsam sein kann, sich durch zig Seiten in den Hilfethreads zu lesen. Außerdem lese ich dann vielleicht schon zu viele Lösungen von Stellen, an denen ich noch gar nicht war.

q.: Wie bewertest du für dich Geschicklichkeit und Ausdauer?
Zickenalarm: Ui…das ist so eine Sache. Inzwischen hat meine Lara natürlich viel trainiert, aber ich bringe es trotzdem immer wieder fertig, sie ziemlich dumm dastehen zu lassen und in einem Level rumzustokeln. Wenn sie könnte, würde sie mich sicherlich zwischendurch gern mal so richtig anbrüllen, wenn sie das fünfte Mal völlig unnötig in einen Abgrund gestürzt ist. Ich hoffe, sie hört mich nicht, wenn ich sie dann, aufgrund meiner unkoordinierten Finger, öfter mal als olle Kuh beschimpfe ;-) .

q.: Wie hoch würdest du deine Frustrationstoleranz einschätzen?
Zickenalarm: Meine Frustrationsgrenze variiert tagesformabhängig, aber ich gebe nicht auf. Es dauert eine Weile bis ich schimpfe, aber dann richtig. Meistens bin ich beim Spielen sehr konzentriert und merke gar nicht, dass ich schon bei Sprungversuch 526 bin. Bei Versuch 527 wache ich dann vielleicht auf, mache mir einen Kaffee und versuche es weiter. Will es dann immer noch nicht klappen, hilft spätestens der Forumseffekt.

q.: Stellst du dich Zeitaufgaben und schwierigen Sprüngen oder brichst du deshalb Level ab?
Zickenalarm: Einen Level abzubrechen, kommt für mich kaum in Frage. Da müsste er schon in allen Punkten sehr mies sein. Wenn mir etwas ganz und gar nicht gelingen will, stelle ich ein Save ins Forum und lasse mir grummelnderweise helfen.

q.: Welche Rolle spielt eine zugrunde liegende Geschichte, bzw. die Dramaturgie der Spielhandlung?
Zickenalarm: Es gibt Levelserien, in denen sich die Handlung wie in einem guten Buch oder Film immer weiter fortsetzt, z.B. in der UB-Reihe von Richard Lawther. Dieses ist natürlich der Optimalfall. Es gibt aber auch Level, die eine seitenlange Story in der Readme aufweisen, von welcher man dann aber im Spiel überhaupt nichts wiederfinden bzw. erkennen kann. Ich finde es schön, wenn eine Hintergrundstory da ist, aber der Level an sich ist mir wichtiger. Es gibt auch supertolle Level ohne große Story.

q.: Wann hast du mit dem Schreiben von Reviews angefangen und was waren deine Motive?
Zickenalarm: Mein erstes Review schrieb ich im April 2005 zu UB3-Plain of Jars.
Vorher hatte ich zwar sicher schon an die 150 Level gespielt und las die Reviews auf der LB und auf trle.net, traute mich aber nicht, auch mal selbst eins zu verfassen. Von UB3 war ich dann allerdings so überwältigt, dass es „klick“ machte und ich auch mal meinen Senf dazugeben musste.

q.: Reviewst du jeden gespielten Level oder nur ausgewählte?
Zickenalarm: Ich reviewe jeden Level, den ich spiele. Da ich selbst nichts bauen kann, ist das eben mein Beitrag, den ich für die Community leisten kann und um den Levelbauern zu zeigen, dass ich ihre Arbeit würdige.

q.: Richtet sich dein Review eher an die Levelbauer oder an die Spieler?
Zickenalarm: An beide. Ich versuche, Kritik zu geben, mit der die Autoren etwas anfangen können. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass ich es ihnen schuldig bin, etwas zu ihren Leveln zu sagen. Schliesslich sind sie es, die mir ermöglichen, meinem Hobby nachgehen zu können, wann immer ich will und ohne dass es mir je langweilig wird. Den Spielern möchte ich meine Eindrücke von dem Level vermitteln und Empfehlungen aussprechen oder eben nicht. Daraus kann dann jeder machen, was er möchte. Ich lese auch die Reviews der anderen Spieler sehr gern, aber immer erst, nachdem ich meins geschrieben habe.

q.: Wie weit willst und kannst du deiner Meinung nach persönliche Vorlieben und Eindrücke dem Kriterium Objektivität unterordnen? Kann ein Review deiner Meinung nach überhaupt objektiv sein oder bekennst du dich zu Subjektivität?
Zickenalarm: Herr Richter, ich bekenne mich zur Subjektivität! Ich glaube nicht, dass ich in der Lage bin, ein rein objektives Review zu schreiben. Vielleicht müsste ich dazu selbst Level bauen können oder es müsste eine lange Liste zum Abhaken einzelner Kriterien geben. Nein, ich schreibe meine Reviews ganz aus dem Bauch heraus und erwähne dann die Dinge, die mir besonders ge- oder missfallen haben. Ich wüsste auch gar nicht, wie man z.B. das Gameplay objektiv bewerten sollte. Manch einer mag Timeruns, ein anderer nicht….was ist jetzt besser? Wer hat recht, wenn er sein Review schreibt? Ist ein Level mit einem sehr schwierigen Gameplay automatisch gut oder schlecht? Das liegt doch im individuellen Empfinden des Einzelnen. Ich z.B. liebe nach wie vor Schieberätsel, obwohl sie dem Großteil der Spieler mittlerweile wohl ziemlich auf den Keks gehen. Ein Spieler würde also vielleicht schreiben: „ Bäh, so eine elende Schieberei“ und ich würde es vielleicht als „ Yippieh…ein innovatives und gut durchdachtes Schieberätsel“ formulieren.

q.: Bist du mit deinen geschriebenen Reviews zufrieden oder würdest du, wenn du könntest, nach Wochen oder Jahren diese ändern?
Zickenalarm: Ab und an lese ich ein paar meiner älteren Reviews, z.B. dann, wenn ich Vergleiche zwischen den Leveln eines Autoren ziehen möchte.
Es kann schon sein, dass ich nach einiger Zeit ein paar Dinge anders schreiben würde, ich weiß es nicht genau. Dazu müsste ich mir einen Level erneut vornehmen. Ich würde mich jetzt aber nicht komplett davon freisprechen, denn es hat ja schon auch immer ein bisschen mit der Tagesform zu tun, wie man einen Level empfindet, da kann man sich um Objektivität bemühen wie man will.
Ich versuche aber immer, den Autoren nicht auf den Schlips zu treten. Sie stecken so viel Zeit, Mühe und Engagement in ihre Projekte, da kann man ein Review nicht einfach so lapidar und nebenbei dahinklatschen. Oft ist es ja auch so, dass eine Stelle im Spiel vielleicht nur gerade meinen persönlichen Geschmack nicht getroffen hat. Das muss noch lange nicht heissen, dass er schlecht ist.
Und wer weiß schon, was ich denke, wenn ich in einem Jahr dieses Interview wieder lese? Man verändert sich eben dann und wann ;-) .

q.: Hast du auch im Real Life etwas mit Schreiben zu tun?
Zickenalarm: Nein.

q.: Liest du Bücher? Wenn ja, welche Art von Literatur bevorzugst du?
Zickenalarm: Ich lese phasenweise, am liebsten im Sommer auf meiner Terrasse.
Ich mag Herr der Ringe und Harry Potter, ansonsten bevorzuge ich aber Horror- und Psychothriller. Einer meiner Lieblingsautoren ist Dean Koontz. Derzeit lese ich Tess Gerritsen.

q.: Wie alt bist du?
Zickenalarm: Mhhh….*sicheinbisschenzier*…na gut….35.

q.: Welchen Beruf übst du aus?
Zickenalarm: Ich bin Heilerziehungspflegerin.

q.: Zickenalarm, ich bedanke mich ganz herzlich für deine Mitarbeit.

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Eine Antwort zu “Reviewer-Interviews 14 – Zickenalarm”

8 12 2008
Buck (13:25:27) :

Danke, quetzal, für diese tolle Interview-Reihe!

Und Zickchen, ich wusste gar nicht dass wir uns so ähnlich sind. Viele deine Aussagen hätte ich sehr ähnlich formuliert ;)

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