The Guardian of Light – Lara isometrisch


Nun haben sie also getagt, auf der GDC, hinter verschlossenen Türen – über unser aller Spieler-Wohl und Wehe. Die Game Developers von Crystal Dynamics, auf der Game Developers Conference 2010 vom 9.-13.3. in San Francisco. Laut Wikipedia gibt es hier „Vorträge, in denen neue Technologien präsentiert und diskutiert werden. Zudem werden die neuesten Entwicklungen gezeigt und die Game Developers Choice Awards verliehen.

Das derzeitige Tomb Raider Entwicklerstudio Crystal Dynamics hatte verkündet, dort sein neuestes Werk „Lara Croft und The Guardian of Light“ vorführen zu wollen. Was weltweit eine riesen Aufregung unter den Adventure-Spiele-Fans auslöste. Fast 80 mal wurde auf Webseiten mit Spiele-News darüber berichtet, die reinen Tomb Raider-Fanseiten nicht mit gerechnet. Die massenhaften Kommentare zu den ersten bekannt gewordenen Einzelheiten überall waren unterschiedlich. Auf einen Spieler, der die bebilderten Ankündigungen vielversprechend fand, kamen sieben, die darin die endgültige Beerdigung der offiziellen Tomb Raider Serie sahen.

Was war passiert, welche Aussichten hatte man uns geboten? Im Interview auf Gamasutra am 2. März hatte Crystal Dynamics Manager Darrell Gallagher verlauten lassen, dass das nächste von ihnen entwickelte Lara-Game ein ganz innovatives Konzept haben würde und dass ihr Auftraggeber Square Enix sie geradezu aufgefordert hatte, hierbei neue riskante Wege zu gehen.

Und was war nun das Innovative? Eine durchgehend  isometrische Perspektive. Das erste Spiel mit dieser Perspektive, nachdem die 2dimensionale nur reine Drauf- oder Seitenansicht gezeigt hatte, war „Ant Attack“ im Jahre 1983. Man konnte damit in einer Sicht schräg von oben eine gewisse räumliche Tiefe des Spielfeldes darstellen, lange vor dem Aufkommen der 3D-Spiele Mitte der 90er Jahre.

Es geht also in beliebter Retro-Masche voll zurück in die Steinzeit der Computerspiele. Nun ja – bei Action-Adventures mit Rollenspiel- und Strategie-Elementen kann man noch heute auf mehr oder weniger großen und liebevoll bemalten „Maps“ die Spielfiguren durch Anklicken von A nach B laufen lassen, oder sie durch das Anklicken von Gegenständen oder Gegnern mit diesen interagieren lassen.

Aus einem Grund finde ich diese Sichtweise im kommenden „The Guardian of Light“ sogar toll. Ich muss mich nicht, wie noch bei Underworld, über Laras für mich breit angelegte Hässlichkeit mit den kurzen X-Beinen ärgern. Davon würde man in diesem neuen Spiel nicht viel erkennen. Gut finde ich auch, dass sie anscheinend wieder ein tropentaugliches hellblaues T-Shirt angezogen hat, und nicht diese klobige braune Nylon-Korsage mit den seitlichen Schweiß-Entlüftungs-Gitternetzen.

Die massiven Forderungen von ca. 97% der Tomb Raider Fans nach einer besseren Kameraführung und besseren Steuerbarkeit ihrer früheren Bewegungsfähigkeiten (Also auch wieder Rück- und Seitwärtssprünge statt peinlich-plumper Wende-Hüpfer, und dass sie an jeder Mauer ihrer Wahl hoch springen kann, anstatt sich sinnlos affenartig daran festzuklammern.) haben die Crystal Dynamics- Designer hier vollkommen in den Wind geschlagen. Den diesbezüglichen Forderungs-Katalog, von uns Fans zusammengestellt, den Eidos den CD-Leuten verbindlich zur Umsetzung vorgelegt hatte – nach der bald darauf folgenden Übernahme durch Square Enix konnten sie diese Liste mit unserem Kunden-Gemecker getrost ignorieren. Das standardmäßige Marketing-Gelaber der Square Enix-Führung, sinngemäß: „Wir werden das traditionsreiche Qualitätsprodukt Tomb Raider natürlich in seinem Kern erhalten und pflegen und weiter entwickeln.“ – wer hat darauf schon etwas gegeben!

Sehen wir uns mal kurz die wenigen gezeigten neuen Spielmöglichkeiten an. Das mit dem Wurfhaken kennen wir schon. Das rotierende Kreuz mit den großen Steinkugeln an den Enden, das haben wir früher mit den sich im Kreis drehenden Sensenklingen schon wesentlich eleganter gesehen. Aber bei der jetzt neuen schräg von oben-Sicht sind nun natürlich nur noch sehr grobe Hüpfer möglich. Dass Lara ihrem Kumpel die (Seil) Stange halten kann, finde ich nett, auch dass er ihr seinen Speer als Reckstange in den Felsen werfen kann.

Hüpfkreuz

Sehr gut gefällt mir hier, dass der Spieler neben Lara eine weitere Figur steuern darf, oder sich diese Aufgaben mit einem anderen Spieler teilen kann. Seht Euch bitter alle bislang bekannten Einzelheiten zum Spiel hier auf Tomb Raider Game an!

Ich habe mich schon oft gefragt, bei den Originalspielen, wie auch bei den Custom-Leveln, ob man die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz (KI) der Begleiter und Gegner Laras nicht noch vielseitiger ausreizen könnte. Nun – seufz – bei diesem neuen Abenteuer gehen die Anforderungen an Laras eigene Intelligenz, und die der Spieler, leider in Richtung Null. Die einzige Mission wird hier nämlich sein, alles, was sich bewegt, umzubringen, für jeden besiegten Gegner gibt es Punkte. Die Jump and Run-Urzeiten lassen grüßen!

Zum Glück hat sich die ganze Aufregung, ob diese Retro-Design-Bastelei das ersehnte Tomb Raider IX werden soll, inzwischen als unnötig erwiesen. Es ist nur ein kleines preisgünstiges Spielchen für zwischendurch, um uns die Wartezeit bis zum nächsten richtigen Tomb Raider, das irgendwann ab 2011 erscheinen soll, zu verkürzen.

Gestern am 12.3. kam auf der Game Developers Conference von Crystal Dynamics die beruhigende Erklärung:
“Ihr habt doch gemerkt, dass dies nicht Tomb Raider ist, stimmt’s? Wir arbeiten an zwei Spielen, und dies ist etwas frisches und andersartiges. Wartet es ab. Es sind zwei Sachen für sich, und LCGoL hat keinen Einfluss auf das „andere Projekt“.”
Und sie haben uns noch zwei beeindruckende neue Screenshots spendiert.

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7 Antworten zu “The Guardian of Light – Lara isometrisch”

13 03 2010
Buck (10:57:20) :

Es hat ja schon eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet Tomb Raider, als erstes Spiel das 1996 3D-Welten umsetzte, in denen der Spieler sich frei bewegen kann, nun das archaische Jump’n Run/Arcade Prinzip wiederbeleben will… :hehe:

Aber wir als Tomb Raider Hordcore Fans sind ja für alles dankbar, was man uns vorwirft…. Doch halt! Hat jemand was von Tomb Raider gesagt? Der Markenname Tomb Raider taucht bei The Guardian Of Light ja nirgendwo auf. Das ist doch bestimmt kein Zufall. ;-)

Danke für deine erleuchtenden Einblicke, Doro! Jetzt bin ich endlich auf auf dem neuesten Stand!

13 03 2010
Sue-Ellen (18:09:52) :

Vielen Dank Doro für diesen ausführlichen und sehr interessanten Bericht :winken: Da bin ich mal gespannt, was Tomb Raider 9 zu bieten hat :whistling: Sollte die Steuerung die gleiche sein wie bei Legend oder Underworld, dann bleibe ich lieber bei den vielen tollen Custom-Leveln :-P

13 03 2010
illyaine (20:23:20) :

Beachtet bitte, das Spiel ist nicht Tomb Raider 9 sondern was eigenes.

15 03 2010
Tom (08:56:54) :

Boa Doro, was haben mich deine letzten Sätze beruhigt! :schwitz:
Das es nicht “Tomb Raider” heißen soll, wusste ich bereits, allerdings hatte ich die Befürchtung, dass Lara nun ganz andere Wege gehen soll.
OK, dann ist alles offen. Diese Teil hole ich mir nicht. Wenn ich Retro haben will, spiele ich Customlevel. :mrgreen:

15 03 2010
Das neue Tomb Raider : Toms Dimension (09:09:40) :

[...] Glück gehabt. Ist nur was kleines für Zwischendurch. Und irgendwie eher Zelda oder so. OK, fällt trotzdem aus. Warte ich halt bis 2011 auf das nächste echte Tomb Raider. Tags: Lara, spiel [...]

15 03 2010
Larson (16:16:23) :

Die Screenshots koennten auch von Diablo 3 sein (mit Bonusklasse “Abenteurer” ;) ), (das Gameplay ‘alles plattmachen’ klingt auch so), da kann ich den (irgendwo gelesenen) spruch von CD “Wir haben etwas völlig Neues erschaffen…” nicht so wirklich nachvollziehen.

Andrerseits ist die “isometrische” Ansicht zwar alt, aber immer noch aktuell, wie man an vielen Echtzeitstragegie-Titeln sieht die so eine Ansicht bieten – ist ja auch mittlerweile meist nicht mehr wirklich isometrisch sondern mehr “3D von schraeg oben”…

21 03 2010
Laras Levelbase New Tribune » Laras Ur-Ahne ist ein Mann! (17:15:22) :

[...] mit Guardian of Lights alte Spielprinzipien ausgebuddelt werden, haben wir von der New Tribune auch ein bisschen gegraben und sind auf eine erstaunliche [...]

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