Adventskalender 2008: Besinnliche Halbzeit… bezwingliche Backzeit
Nach dem (je nach geografischem Standpunkt) kleinen Levelgewitter oder -schneesturm hielt pünktlich zur Halbzeit vorweihnachtliche Besinnlichkeit ihren unterdessen hochverdienten Einzug endlich auch im Levelbase Adventskalender. Das 12. Türchen überraschte mit kreativen Deko-Ideen, die für die mittlerweile bestens geschmierte Feinmotorik vieler Spieler ja nun wahrlich kein Problem darstellen sollten – jedenfalls nicht VOR dem Verkosten der ersten 5 Tassen Winterkaffee. Selbige konnte zwar am 13. Dezember erneut auf die Tastatur losgehen, doch zumindest bei den Besinnliches erwartenden Spielern musste sie es nicht. Denn mit dem, was man sich gemeinhin unter einem Adventslevel oder Weihnachten vorstellt, hat der Level-Oldie Snowbound von Peter Tedstone etwa so viel zu tun wie die Mittagssonne der Sahara mit dem Polarlicht; für alle anderen (und diesmal sogar für die in diesem Jahr grausamst bestiefmutterten Mac-Spieler!) eine feine Sache, die aber nicht schon wieder von den wesentlichen Dingen des realen Lebens abhalten sollte, nämlich vom Backen! Jawohl, nun wird endlich gebacken! Und für alle, die ihren Spielrausch nun mit einem Backrausch bekämpfen müssen und folglich sämtliche Adventskalender-Rezepte vermutlich binnen 12 Stunden durch den Backofen gejagt haben, wird am 14. Dezember prompter und köstlichster Nachschub in Form weiterer Rezepte für vollkornige Naschereien geliefert.
Na, wer jetzt nicht die Rührschüssel zückt und den Mixer aus dem Halfter zieht, dem ist kaum noch zu helfen… oder muss gar gewichtige Gründe haben, welche daran hindern. Und dass sich hinter dem 15. Türchen ein Level namens Swiss Xmas 2 findet, das könnte, ja das könnte möglicherweise ein solcher Grund sein. Und dass eine weitere “große Dame” des Levelbaus für diesen Vorweihnachtsgruß aus der Schweiz verantwortlich ist, das könnte nicht, nein, das müsste ein solcher Grund sein. Für mich jedenfalls ein geradezu zwanghafter Grund, ein paar Fragen über die eidgenössischen Berge zu schicken:
q.: Agnes, nach 20 veröffentlichten Custom Leveln (Swiss Xmas 2 ist dein 21.) können wir es uns wohl sparen, dich der Community als Levelbauerin vorzustellen. Wenn man sich deine Werke anschaut, fällt jedoch deren bemerkenswerte Vielseitigkeit auf. Neben gewaltfreien und lebensfrohen Weihnachts- und Kinderleveln hast du aber auch recht beklemmende und an Gegnern nicht eben arme Werke gebaut – Port Wladorsk und Rustay seien nur als Beispiele genannt. Eine Art Mittelweg bist du dann mit ROC Mexiko und erst recht mit deinem Meisterwerk Sudeki gegangen. Was reizt dich an dieser doch widersprüchlich erscheinenden Themenvielfalt deiner Werke?
Agnes: Für mich ist das Levelbauen Kunst, Verwirklichen von Fantasien, Kreativsein. So wie ich gerne Bilder male, liebe ich es, einen Level zu kreieren, Texturen, Musik, Atmosphäre und das ganze Drum und Dran. Das Leben ist sehr vielfältig, Gefühle sind vielfältig, meine Interessen ebenso. Ich mag ein Leben, das nicht stillsteht, das Änderungen und Neues mit sich bringt – das spiegelt sich in meinen Arbeiten wieder. Nebst TR spiele ich nur Ego-Shooter, diese düstere Atmosphäre habe ich versucht, in einige Level einzubauen. Ich wollte auch etwas für Kinder machen, inspiriert von meinem Sohn – jeder Level ist inspiriert von Dingen aus meinem Leben. Ich muss zugeben, dass ich den Prozess des Bauens mit all den Gedanken, die damit verbunden sind, für mich selbst brauche
…
q.: In deinem letzten Adventslevel Christmas for everybody hast du ja mit einem sozialkritischen Thema ein in der TR-Welt eher ungewöhnliches Terrain betreten. Um was geht es in dem neuen, deinem 6. Adventslevel?
Agnes: *Hüstel*, hm, 17 Jahre lang habe ich in der Nordostschweiz in den Schweizer Bergen gewohnt, mit massig Schnee im Winter und romantischer Stimmung. 2005 habe ich Swiss Xmas als Weihnachtslevel gebaut, er spielt in diesen Bergen und ich habe versucht, einige typische schweizerische Elemente miteinfließen zu lassen.
Swiss Xmas 2 beginnt mit diesem Level, die Kamera bleibt jedoch bei Lara stehen und sie sagt: “Stop, irgendwas ist hier falsch. Wir werden dieses Jahr Weihnachten nicht in den Schweizer Bergen verbringen.” Wechsel – und Lara findet sich in der Südschweiz wieder, umgeben von musica populare ticinese. Es ist mein Umzug vom Norden in den Süden und es hängen sehr viele meiner Gedanken und Gefühle der letzten 1.5 Jahre in diesem Teil, die ich aber nicht weiter ausführen werde.
q.: Welche Herausforderungen stellt er an die Spieler?
Agnes: Keine, der Level ist von unerfahrenen Spielern und jedem Kind spielbar. Für mich ist Qualität nicht gleich Schwierigkeitsgrad. Der Level soll ein Adventshäppchen sein, über den man sich nicht wegen schwierigen Passagen ärgen muss, denn für mich ist das Wichtigste an Weihnachten nicht der Schnee, sondern Frieden.
q.: Können Mac-Spieler auch in den Genuss des Levels kommen?
Agnes: Ich befürchte, nein. Da ich sehr, sehr viele Fototexturen mit hoher Qualität benutzt habe, musste ich den Level patchen. Andererseits gab es auf trle.net Mac-Spieler, die Summer spielen konnten, obwohl auch dieser Level gepatcht war.
Du kannst mir ja mitteilen, ob’s geht oder nicht
. (Anmerkung des Autors: Geht nicht.
grummelgrummelgrummel…)
q.: Du bist ja u.a. noch bei der Organisation und Koordination des Adventskalenders aktiv. Wie schaffst du das alles?
Agnes: Ich bin von Natur aus ein Mensch, der nicht ruhig sitzen kann. Niemals könnte ich einen Tag lang rumliegen und nichts machen. Vor 15 Jahren war es noch viel schlimmer, da habe ich einen auf Selbstversorgung gemacht und sogar Essig selbst produziert.
Inzwischen haben sich meine Arbeitsgebiete verlagert.
q.: In diesem Jahr gibt es erstmals zwei voneinander unabhängige Adventskalender. Was denkst du darüber?
Agnes: Weltweit gesehen gibt es wohl noch viel mehr Adventskalender
, die LB hat das Recht auf einen Kalender ja nicht gepachtet
… ich weiß, dass es nächstes Jahr noch mehr geben wird, irgendwann gibt es vielleicht den LB-Kalender nicht mehr – das Leben ist ein Kommen und Gehen … ein Adventskalender bringt Spannung, Überraschungen, Freude – das sollen auch andere Kalender dürfen, ein friedliches Nebeneinander sollte ja die Botschaft der Weihnachtszeit sein.
q.: Möchtest du unseren Lesern sonst noch etwas mitteilen?
Agnes: Ich danke den Spielern, die meine Level spielen, auch wenn sie nicht immer “wohlgefällig” und “reizend” sind.
und
Frieden fängt im eigenen Ich an, zieht Kreise, umfasst Familie, Umgebung, das Land, die Welt. Es wird keinen Weltfrieden geben, solange wir nicht unmittelbar bei uns Frieden haben. Nicht Cookies, Geschenke, Weihnachtsbaum will uns Weihnachten vermitteln, sondern Frieden und Freude. Ich wünsche jedem Leser, dass er Zeit findet, auf sein Inneres zu lauschen und seinen Frieden zu finden.
q.: Agnes, ich bedanke mich für deine Antworten.







