Der Ultimative Timerun-Ratgeber
Seid Ihr die ewigen Diskussionen im Forum über Timeruns leid? Und Ihr wollt meine Meinung zu ihnen nicht wirklich hören? Tja, da ich hier aber nun mal so schön am Drücker sitze…
Außerdem denke ich daran, dass mancher unerfahrene Spieler noch nicht so recht weiß, ob er sich über Timeruns, die ihm nicht behagen, überhaupt ärgern darf, und viele Reviewer sind noch unsicher, ob sie sie als mieses Puzzle oder Gameplay abwerten dürfen. Daher halte ich Aufklärung hier noch für dringend notwendig.

Was man an Türen, Boden- und Deckenluken, an der Wand befestigten oder frei schwebenden Klappen, sich hebenden oder senkenden Blöcken, Intervall-Spikes und sonst noch alles zeitlich schalten kann, muss ich hier nicht aufzählen. Solche Spurtläufe und auch Tauchereien kommen im wirklichen Leben zwar so gut wie nie vor, außer man muss einen gleich abfahrenden Zug noch erreichen, im Levelbau werden sie jedoch gern verwendet. Wenn ich auch bei manchen denke, dass der Levelbauer nur zu bequem war, sich genügend ordentliche Rätsel auszudenken. Ein paar Klicks, um Timer einzusetzen, das ist ja auch viel einfacher.
Untersuchen wir nun, wodurch sich gute und schlechte Timeruns voneinander unterscheiden. Eine berühmte Leveldesignerin meinte vor Jahren mal hier im Forum: „Ein Timerun, den ich schon beim dritten Versuch schaffe, taugt nichts.“ Das mag so sein. Ich aber halte dagegen mit: „Ein Timerun, den ich beim x-ten Versuch nicht schaffe, taugt nichts.“ Wobei die Zahl X sehr verschieden groß sein kann. Manchmal merke ich schon beim zweiten Versuch, dass ich auf den Run lieber ganz verzichten möchte, und manchmal ertappe ich mich bei den letzten dreißig Versuchen dabei, dass ich mir sage: „Also gut, jetzt aber wirklich die drei allerletzten Mal.“

Irgendwann ist bei mir jedoch endgültig Schluss. Da komme ich dann, wie auch bei manchen anderen Frust-Stellen in Leveln, zu dem Punkt, an dem ich mich frage: “Was tue ich hier eigentlich? Als angeblich erwachsener Mensch, dem in der Freizeit doch ein reichhaltiges kulturelles Angebot zur Verfügung steht? Auch zwischenmenschliche Kontakte verschiedenster Art könnte man mal wieder pflegen, sogar mit Personen, die gar nichts mit Tomb Raider im Sinn haben. Ab diesem Punkt weiß ich, sollte ich bald aus Versehen doch noch mal Erfolg haben, würde ich mich darüber nicht mehr freuen können. Worüber? Über mein Durchhaltevermögen wider jede Vernunft? Ich möchte nicht jeden Blödsinn, den sich ein anscheinend überforderter Levelbauer ausgedacht hat, mitmachen. Selbst manche Levelbauer können heute nicht mehr verstehen, wenn sie einen ihrer älteren Level mal wieder spielen, warum sie solches damals so gebaut haben.

Welche anderen Taugenichtse gibt es, neben den mir zu knappen, unter den Timeruns noch?
- Alle Rennereien von hier nach da zu einer Zeittür in Leveln, in denen man sowieso nichts anderes tun kann, als mittels zu suchender Schlüssel und Hebel eine Tür nach der anderen zu öffnen. Dass eine dieser Türen zur Abwechslung ein Zeitschloss hat, rettet den Level auch nicht mehr, auch wenn man da schön verzwickt um mehrere Ecken sprinten muss.
- Zu fummelige Runs. Jene, bei denen man keine Handbreit der mathematisch kürzesten Strecke verschenken darf, die Rollen mit Drehung genau auf den richtigen Punkt setzen muss, und man Lara zwischen den einzelnen Sprüngen ganz exakt in den jeweils neuen Anlaufwinkel drehen muss.
- Lange Runs treppauf, treppab um zig Ecken und mit diversen Sprungeinlagen, bei denen man erst zwei Meter vor dem Ziel sehen kann, dass die Tür schon längst wieder zu oder der Raising Block schon längst wieder unten ist. Wenn ich nicht rechtzeitig erkennen kann, wie viele Meter oder Sekunden mir noch bis zum Ziel fehlen, wie soll ich da einschätzen, ob meine Bemühungen überhaupt mal Aussicht auf Erfolg haben werden?
- Unglaubwürdige und verletzende Runs. Im Siegerlevel des ersten BtB musste Lara sich von einer hohen Galerie herablassen. Als sie unten landet, geht der Gesundheitsbalken merklich zurück. Was glaubte der Autor wohl, welche Körperteile Lara sich da verletzt hat? Und mit diesen Füßen muss sie dann noch mehrere hundert Meter sprinten und springen!
- Langwierige Runs, bei denen man nicht zwischenspeichern kann, sondern alles immer wieder von Anfang an versuchen muss. So wie ich es im BtB Peru-Contest mit dem Holzrad erlebt habe, an dessen Griffen man mindesten drei- oder auch fünfmal ziehen musste, um das sich senkende Gitter zu erreichen. Immer wenn ich, um die Versuche abzukürzen, nach der langweiligen Griffe-Zieherei gespeichert hatte, hatte das zur Folge, dass das Gitter dann beim neu Laden schon gleich geschlossen war. Die Aufgabe ist eigentlich ganz nett, mit der flachen Rolle unter dem halb offenen Gitter hindurch, aber bitte nicht den Spieler zu zu vielen Wiederholungen zwingen! Zwischenspeichern bei Zeittauchereien ist auch eine heikle Sache. Wenn man da mitten im Tauchlabyrinth merkt, dass man es nie schaffen wird, können einem die Mogeltools im Wasser nämlich nicht helfen.
- Apropos Mogeltools für Timeruns: Wenn der Gebrauch Selbiger in schwierigen Leveln mit Hilfe von TREP unmöglich gemacht wurde, verzichte ich lieber gleich auf den ganzen Level. Wenn der Levelbauer nicht möchte, dass ich als nur Durchschnittsspielerin in seinem Werk weiter als bis zum ersten knappen Timerun komme – bitte, so etwas muss ich nicht haben.

Zum Glück gibt es aber immer wieder auch erfreuliche Timeruns, die sogar mir Spaß machen.
- Das sind zunächst mal solche, die neue ungewöhnliche Elemente einsetzen, anstatt nur happige Hindernisstrecken.
- Solche, bei denen man den optimalsten Weg selbst schön ausprobieren kann: Soll ich Lara an dieser Stelle einfach schräg nach unten springen lassen? Nein, der Höhenunterschied ist doch zu groß. Sie geht unten erst in die Hocke, kommt dann hoch und fängt dann erst wieder an zu laufen. Das dauert zu lange.
- Jene, bei denen man sich die beste Strecke selbst basteln kann. Wie etwa in Christophs „Black Villa“ mit den begehbaren Schiebekisten.

So, das wärs, erstmal. Übrigens – das Endgültige des Wortes ultimativ wird überbewertet. Ich behalte mir vor, die Listen jederzeit zu ergänzen, und das könnt ihr auch.
Herzliche Grüße
Doro








Ach Doro Du hast ein Thema gewählt, das mich sehr lange beschäftigt und viel Nerven gekostet hat, mittlerweile bin ich dazu übergegangen, mich nicht mehr von “quälenden” Timeruns zur Schnecke machen zu lassen und spiele nur mehr Levels, die allerhöchstens einen Timerun beinhalten und da muß ich mir meistens im Forum Hilfe holen.
Mir tut es nur leid, daß mir dadurch, daß allein das Wort Timerun bei mir schon Panik auslöst, viele schöne und ansonsten spielenswerte Levels entgangen sind.
Danke für Deinen interessanten Artikel und liebe Grüße, Gerda
Ui, das ist wieder ein Streitthema.
Wieviel Time darf so ein Run haben. Also Ich gebe dir, Doro, und der Levelbauerin recht. So ein Timerun soll eine schon eine Herausforderung sein, bis zu einer subjektiven Grenze. Ich habe bisher auch (fast) alle geschafft. Aber wenn die Grenze zum Frust überschritten wird nehm ich ganz schnell ein anderes Level. Es gibt genug. Man muss sich nicht übermäßig rumärgern. Aber der Glücksgefühl nach einen nicht leichten Run ist besser als 2 tafeln Schokolade! :D
Stimmt, Tom! Nach 2 Tafeln Schoko ist einem ja nur schlecht.
Nicht, wenn man langsam ist und sein Magen über Jahre daran gewöhnt hat!