Ein Test…zwo…drei
Es soll vorkommen, dass im Blog-Team mal eine kleine Flaute herrscht. Keine Ideen für Artikel, andere Sachen um die Ohren, TR-Müdigkeit, Friseurbesuch, Urlaub, was auch immer… In solchen Situationen erscheint dann manchmal eine Stimme aus dem Off: „ Hey, wie wär’s, wenn jemand mal irgendjemanden interviewt? Oder schreibt doch mal über Eure Erfahrungen beim Leveltesten. Wer durchforscht mal das Netz nach News?“
Ich begann zu sinnieren… wie war das eigentlich bei meinen ersten Leveltests?
Was war überhaupt mein erster Test? Ach ja! „Die Nacht der Schatten“ von uranos1. Todesmutig meldete ich mich damals als Testerin. Von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber mich interessierte das schon so lange, dass ich mir ein Herz fasste und vorsichtig anfragte, ob ich teilnehmen dürfe. Prompt bekam ich eine PN in Gedichtsform zurück. Das lockerte meine angespannte Stimmung ein bisschen auf und der Test konnte beginnen.
Nachdem also diese erste Eisschicht zwischen mir und dem Testerdasein angeknackst war, beschloss ich, mich öfter mal zu melden und irgendwann war es dann auch soweit, dass mich ein paar Autoren von ganz allein anschrieben, ob ich nicht Lust hätte, in ihren zukünftigen Werken an alle möglichen (und vor allem die unmöglichen) Stellen zu springen.

Klar hatte ich Lust und mittlerweile bin ich bei einigen Autoren Stammtesterin geworden. So z.B. bei illyaine, Raymond, Mr XY und Die Basis. Jeder dieser Herren ist ein Genie und man kann fantastisch mit ihnen arbeiten. Letztens durfte ich auch ein Werk von agnes testen, wobei wir viel Spaß hatten.
Besondere Highlights sind die Tests der Weihnachtslevel, für die ich letztes Jahr von nick eingeladen wurde. Da freut man sich doch wie die Schneekönigin persönlich!
Mit illyaine aka christoph hab ich wohl bislang am häufigsten und engsten zusammengearbeitet. Christoph ist ein toller Partner! Dem kann ich auch mal sagen: „Ey, die Stelle ist voll öde!“ und ich weiß, dass er es genau so auffasst, wie ich es gemeint habe. Nämlich in keinster Weise persönlich.
Zwischen uns hat sich leveltechnisch ein tolles Vertrauensverhältnis aufgebaut. So muss es sein, das macht Spaß! Chris nimmt es mir auch nicht übel, wenn ich ihm mit meinem technischen Nichtwissen die wildesten Ideen unterbreite, die unmöglich umzusetzen sind. Ich habe es bislang leider nur fast geschafft, ihn zum Wahnsinn zu treiben, aber ich arbeite daran
.
Ein absolut nervenaufreibender Test war der zu „Jade Empire“, was wohl nicht zuletzt an der Länge dieser wunderbaren Levelserie liegen mag. Ich verstehe nach wie vor nicht das Geringste vom Levelbau, habe keine Ahnung, was Flipeffects und OCB-Werte sind, aber eines habe ich verstanden: Der Editor ist tückisch, ganz hinterhältig tückisch sogar, wenn nicht noch tückischer! Tauschst du in Level 2 einen Hebel aus, so heißt das noch lange nicht, dass in Level 7 jetzt noch alles funktioniert. Was bleibt dem Testerlein also übrig? Richtig! Alles von vorn bis hinten noch mal genauestens unter die Lupe nehmen. Wenn du dann in Level 5 angekommen bist und dort auf einmal ein Item in der Luft hängt (obwohl es bei Testdurchlauf 6 noch auf einem Podest lag), welches du aber für die nächste Tür benötigst, kann es schon mal zu ausgeprägtem Wutschnauben kommen, denn du hast schließlich schon jetzt im Hinterkopf, dass du gleich ALLE 7 Level noch mal spielen müssen wirst.

Klar kannst du dir zwischendurch auch mal eine neue tr.4 schicken lassen, um dort erstmal weiter zu kommen, aber ab jetzt kommt mein übertriebener Perfektionismus ins Spiel: Was, wenn jetzt plötzlich an anderer Stelle ein Podest fehlt? So kannst du das nicht abliefern. Du musst wissen, dass es von GANZ vorn bis GANZ hinten rund läuft. Was, wenn die Editor-Heinzelmännchen wieder zugeschlagen haben?
So kommt es dann zu Stande, dass man denkt: „Jo, endlich die finale Version und dann geht das Ding on.“ Erst zwei Wochen später merkst du, dass du inzwischen die Finalversion 37 gespeichert hast, und immer noch an dem Ding rumtestest, weil du dich z.B. fragst, woher aus dem schwarzen Himmel eigentlich die Lichtstrahlen kommen.

Gern denke ich auch an „Lara and the Easteregg“ zurück. Der Level war so süß und kurz, dass es mir fast nichts ausmachte, ihn 95x zu testen. Mir nicht… Chris schon! Gut, dass es diese wunderbare Erfindung namens Messenger gibt, die eine schnelle und unkomplizierte Kommunikation erlaubt. „Äh… Chris… ich dachte zwar, wir wären fertig, aber ich hab noch was gefunden. Man kann mit dem Jeep vorzeitig über die Hügel fahren.“ Ein schockierter Smilie wurde mir angezeigt und flugs die Hügel ausgebessert. So, jetzt aber! „Äh… ja, eigentlich läuft jetzt alles, aber nun fehlt da eine Textur. Und wo du schon dabei bist, könntest du Laras Stimme noch ein bisschen lauter machen?“ Irgendwann war Chris so gefrustet, dass er mir den Test sicher lieber hätte wegnehmen wollen. Er blieb jedoch tapfer und werkelte weiter daran herum. „Mann Zickchen, dass du das Ding noch sehen kannst“, schimpfte er „ich lass es jetzt so.“ „NEIN! Da ist doch noch ein Fehler an Stelle XY aufgetreten.“ Irgendwann nachts hatten wir es dann aber. Das Osterei konnte on gehen und wir off.

Ende letzten Jahres rauschte dann der Test zu „Black Villa“ an und Chris hatte die wahnwitzige Idee, dass ich ja nun auch endlich mal was sprechen könnte. „Nee, das mach ich nicht. Ich klinge wie eine rostige Ölkanne. Frag Gandalf, sie ist die beste für den Job.“ „Sie spricht schon die Lara. Du sollst die Eingangsstory sprechen. Es wird eine Bildergeschichte.“, kam es zurück. Nach stundenlangem mädchenhaftem Geziere meinerseits, hatte Chris den Kampf dann aber gewonnen. Der olle Sturkopf! Ich druckte mir also den Text aus, schloss mein Mikro an und stellte mir das alles mal wieder viel einfacher vor, als es schlussendlich war. Es klang einfach doof! Den ganzen Tag redet und erzählt man, aber wie blöde sich das anhört, merkt man erst, wenn man es aufnimmt und versucht, es besonders gut zu machen. Stunden über Stunden verbrachte ich mit 10 Sätzen. Mein Schatz, der mir gegenüber an seinem Rechner saß, durchlief währenddessen alle Stimmungslagen vom leichtem Lächeln über blanke Genervtheit bis hin zum sich grölend auf dem Boden kringeln. „Schaaaatz“, lachte er,“ die Eingangstür ist nicht fescht verschlosssn. Sie ist f-e-s-t v-e-r-s-c-h-l-o-s-s-E-N. Da musst du noch mal ran und nimm endlich die Wolldecke aus dem Mund!“ Grmpf! Also gut. Ich wieder ans Mikro, Aufnahme an: „Laras Freundin Jane war am Vorabend zu einer Gothic-Party eingeladen… Die Eingangstür war… aaach F***!!!“ Binnen der nächsten Stunden sollten noch viele Aufnahmen dieser Art entstehen. Die Wolldecke wich der heißen Kartoffel, die Kartoffel wich einem Räuspern zwischendurch. Ein Elend! Am anderen Ende meines Messi-Fensters saß Mr. Ungeduld, aber immerhin war er tapfer genug, mich immer weiter zu motivieren. Dank der beiden geduldigen Herren um mich herum, kam dann doch noch etwas Brauchbares dabei heraus.
Beim Release des Levels war ich fast so nervös wie der Autor selbst. Glücklicherweise fiel jedoch keinem etwas Negatives auf, niemand schimpfte über die rostige Ölkanne und ich hatte mal wieder eine Feuertaufe bestanden. Puh! Jetzt bin ich gefestigter und würde mich möglicherweise sogar erneut auf so etwas einlassen. Ansonsten hoffe ich auf viele weitere Leveltests mit ebenso vielen netten Autoren, lustigen Geschichten und nervenaufreibenden Momenten.
Liebe Grüße,
Euer Zickchen







Lol – bei meinen ersten Sprachaufnahmen ging es mir genauso. Es klang blöd, ich nuschelte oder pustete ins Mikro, draußen für ein Auto vorbei und ich hatte vergessen, vorher das Fenster zu schließen…
Das einzige, was mit der Zeit besser wird, ist die eigene Coolness. Auch wenn es für einen selbst immer noch scheisse klingt, man schickt es ab. “Der wird schon meckern, wenn es WIRKLICH scheisse ist.”
Das ist immer noch so, ich habe einen Ordner mit Outtakes, der stetig wächst
Hihi…ja, ich finde es ein bisschen schade, dass ich die Aufnahmen alle gelöscht habe. Aber…öhem…die wären wohl eh nicht jugendfrei gewesen mit der Flucherei.
Wann hören wir Deine Outtakes????
Hmmpf, wenn ich mal dazu kommen sollte, einen Artikel darüber zu schreiben?
Ach, was für ein knuffiger Artikel…
Besonders der Absatz, in dem du schilderst, wie deine Synchronisationserfahrungen waren…*g*
Ich finde deine Stimme in BV prima, genauso wie ich Gandalf’s Stimme sehr mag und ehrlich gesagt auch ziemlich professionell finde, da man nicht merkt, dass hier ein Laie erzählt. An dieser Stelle nochmal Danke an Gandalf *knuddel*
Und ich freu mich schon, wenn “Zickchen” wieder zum Mikro greift, denn ich hätte in meinem Projekt noch eine Rolle, auf die ihre Stimme sehr gut passt!
LG
Liebes Zickchen,
vielen Dank für diesen wieder einmal wunderbar erfrischenden und informativen Artikel, ich war die ganze Zeit am Schmunzeln.
Mach weiter so, “dich” lese ich immer besonders gern.
Wirklich ein toller Artikel!
Hab selbst noch nie was getestet aber kann mir das so richtig gut vorstellen. Der LE hat eben seine Tücken und ein 7 Level umfassendes Werk zig Male zu testen kan anstrengend sein
War wirklich toll das zu lesen und zu erfahren, dass DU die Sprecherin beim Prolog von Black Villa bist. Hast das wirklich gut gemacht und bin gespannt, was du noch alles synchronisieren wirst.
Ui…so viel tolles Feedback! Danke Euch!!!
@kaufi:
Immer her damit! Ich brauche nur ein paar schlappe Jahre, um ein bisschen was zu sprechen. Das macht doch nix, oder?
@Sue:
Wow! Danke…das motiviert mich doch, weiter in die Tasten zu hauen.
@soul:
Du bist ein guter Spieler. Ich glaube, Du wärst auch ein guter und gewissenhafter Tester. Versuch es doch einfach mal. Es tut nur ein ganz bisschen weh