Revisited: Tomb Raider Resurrection
Was waren das für Zeiten, als man sehnsüchtig auf jedes veröffentlichte Tomb Raider-Fitzelchen von Eidos warten musste. Wir erinnern uns: Zwischen 1996 und 2000 wurde meist (oder immer?) im November ein neuer Tomb Raider-Teil raus gebracht. Uns als Fan blieb nichts anderes übrig als geduldig die Erscheinungstermine abzuwarten – und uns über jedes kleine Bonbon zu freuen, das zusätzlich kam. Die Bonus-Level wurden legendär, Tomb Raider 3 kriegte in der Zweitveröffentlichung sogar ein eigenes Mini-Spiel dran gehängt und Tomb Raider Revelation folgte ein unscheinbares Levelchen in Zusammenarbeit mit der New York Times.
Als ich im Jahr 2000 schließlich Tomb Raider Chronicles fertig gespielt hatte und die Hoffnung auf neue Tomb Raider-Häppchen immer mehr schwand, erinnerte ich mich an den Leveleditor und fragt mich, ob es vielleicht tatsächlich spielbare, selbstgebaute Level geben würde. Die ersten Versuche waren ernüchternd. Alles, was ich unter die Fingerkuppen bekam, schien nicht fertig oder nicht spielbar zu sein. Auch dieser ganze Konvertierung-Hickhack war sehr fragwürdig. Mach ich es richtig? Liegt es an mir, dass es nicht funktioniert?

Schließlich war es dann doch soweit. Mein erster spielbare Level war von einem Typen namens Webknight (einer der Pioniere des Levelbaus) und knüpfte ironischerweise an die ungelüfteten Geheimnisse des Verschwindens um Lara Croft in der großen Pyramide von Tomb Raider Revelation an. Tomb Raider Resurrection hieß der Einstiegslevel, ein Titel, der zum Omen meiner neu entflammten Tomb Raider Leidenschaft werden sollte.
Und nun habe ich ihn noch mal gespielt. Ganz wehmütig und voll Erinnerung.
Zunächst gleitet Lara eine Rutsche hinab. Ist unsere Heldin nicht am Ende von Tomb Raider 4 irgendwie verschüttet worden? Ihre Auferstehung wird ja hier ernüchternd simple inszeniert, trotz des Versuches es mit etwas Gerumpel und Gepumpel aufzupeppen. Dafür wird man sogleich mit einer tollen Frauenstimme begrüßt. Lara redet mit uns. Das kam in den Originalspielen ohnehin zu selten vor und lässt mein Herz auch nach so langer Zeit einen Hops machen.

Gesprochen wird Lara übrigens von der geheimnisvollen Rio, wie man aus der Readme erfährt. Sie ist sicher ein (ehemaliges?) Member der Tomb Raider Community. Schade, dass ich ihr trotz unzähliger Fan-Treffen noch nicht begegnet bin. (Rio, wenn du das hier liest, meld dich doch mal! Deine Stimme hat auch nach über acht Jahren Sound-Datei-Konservierung nichts von ihrem Reiz verloren!)
Aber ich schweife ab. Laras Rutschpartie ist also zum Stillstand gekommen, sie lebt und macht sich gleich dran, den Weg aus der großen Pyramide nach draußen zu suchen. (An dieser Stelle sei erwähnt, dass sie es NIE nach draußen schaffen wird, denn Webknight hat diese auf vier Teile angelegte Serie leider nur bis Teil 3 gebaut.) Aber davon weiß Lara jetzt noch nichts und stürzt sich nach alter Manier ins Abenteurer.
Mangelnde Logik war ja schon immer die Stärke von Tomb Raider, also stört es auch kaum, dass gleich das erste Gittertor wie von Geisterhand aufgeht. (Lara ist über einen Trigger gelaufen, weiß ich und denke ich jetzt. Damals dachte ich das sicher noch nicht.) Und dann steht Lara in ihrem ersten wirklichen Raum. Ägyptisch mit Statue in der Mitte, die ich gleich mal schiebe und zack gehen Feuerschalen an, ein atmosphärischer Standardsound erklingt und die Kamera fährt ein bisschen um Lara herum. Für den Anfang doch gar nicht schlecht (- aber auch nicht wirklich raffiniert).

Und so geht es dann weiter. Lara findet einen Kriechspalt, Lara erschießt vier Mörderscorpione – Ta Ta, Lara wird von einer Stachelkugel plattgewalzt. Lara macht einfach alles, was sie in den Originalspielen auch immer machte und ich erinnere mich, dass ich damals seufzte vor Glück. So purzelte ich nun eine Sequenz nach der anderen durch diesen Level und spürte wie ein Echo die alten Erinnerungen: Wow, man kann wirklich Level machen, die so aussehen wie die originalen.
Dass das Gameplay in vielen Punkten nur daraus besteht alle Funktionen (Kriechen, Springen, Tauchen, am Seil schwingen) und alle im Standard-WAD verfügbaren Feinde (Skorpione, Skorpione, Skorpione, Mummies – keuchhust) einzubauen, störte mich damals wenig. Wer will schon Gameplay, wenn die Hoffnung wieder aufkeimt, ernst zunehmenden Nachschub für die Tomb Raider-Sucht zu bekommen?

Und so war es dann schließlich auch. Im Prinzip war der erste Level Resurrection für mich die Wiederbelebung meiner Tomb Raider Leidenschaft. Ich spielte damals gleich den zweiten Teil, der dann auch vom Gameplay wirklich was zu bieten hatte und mich begeistert weiter nach Custom Leveln suchen ließ. Dass ich ziemlich bald auf Level stieß, die den Originalspielen nicht nur ebenbürtig waren, sondern sie um Längen übertrafen, hätte ich nicht zu träumen gewagt. Einen Hauch der Vorahnung hatte mir dieser erste Level aber vielleicht doch vermittelt und so ist und bleibt er für mich das unvergessliche Sprungbrett ins nahezu unendliche Custom Level-Universum.
Bei der Mission: Revisited Aktion kann jeder mitmachen. Einfach Deinen ersten Customlevel erneut spielen und ein Review über Deine Revisited-Erfahrung bei uns einreichen. Mit etwas Glück springt dabei eine original Lara at the Movies CD für Dich raus! Nähere Infos hier









Oh, dachte ich – Buck schreibt, entgegen seiner Gewohnheit, eine ziemlich lange Geschichte? Wohin wird das führen?
– Schwupp, war der Artikel schon zu Ende.
Und dann, vor lauter hintergründigen Erkenntnissen, und wie sehr ich darüber lachen musste, wie es mit mangelnder Logik durch die Stärken und Schwächen von Tomb Raider rumpelt und pumpelt
Sehr kurzweilig und amüsant!
So soll’s sein
Danke für die Blumen! Und das meine Artikel sonst eher kurz ausfallen ist Disziplin, denn eigentlich neige ich zum Schwafeln.
Und schon ist wieder ein bisschen Magie verflogen. Ist doch schrecklich, wenn man immer weiß wie es geht.
Außerdem hab ich mal gegoogelt: http://www.rioreiser.de