Spiel-Zeiten


Also, wenn mich jemand fragen sollte, meine besten Spiel-Zeiten habe ich abends. Nachmittags spiele ich, wenn überhaupt, am liebsten Wüsten- oder Schneelevel. In allen anderen wird unsere Grabräuberin Lara mit Sicherheit früher oder später durch schummerige Kammern und Gewölbe stolpern. Und solches kann ich nur abends im Dunkeln richtig genießen, egal, ob der Levelbauer ausreichend Fackeln zur Verfügung gestellt hat oder nicht.

Aber, Moment mal – eigentlich wollte ich hier doch über etwas ganz anderes meine Ansichten verbreiten. Nämlich über die Zeiten, die Spieler in einem Level von der Stelle „Lara – Startposition“ bis zum Finish Trigger brauchen. Diese Zeiten werden in der so genannten End-Statistik aufgeführt, welche oft und gern und voller Stolz in der „Trophäensammlung“ vorgezeigt werden. Oder auch anderswo, wo man eigentlich mehr nach Hilfe bei Fragen zu einem Level sucht.

Wie gut, dass es diese Trophäensammlung gibt. Da kann man seine Statistiken zeigen, und man kann sie sich ansehen, wenn man will, aber man muss nicht. Jetzt, nach Jahren, habe ich mich da auch mal wieder umgesehen, weil ich Beispiele für diesen Artikel suchte.

Die hier Aufgeführten wurden am Ende der legendären phantastischen Level-Komposition Reign of Chaos erstellt. Man beachte die sehr unterschiedlichen Spielzeiten. Wenn man jedoch näher hinsieht, fällt auf, dass die Spieler, die nur 9-11 Stunden Netto-Spielzeit hatten, Lara weniger als 60 km durch die Serie gejagt haben. Bei gut 14 Stunden sind es um die 70 km, und bei 20 Stunden und mehr sogar über 100. Das ist erstaunlich. Woher kommen diese Unterschiede? Die längsten Strecken stammen von sehr erfahrenen Spielern, von denen ich nicht glaube, dass sie sich auf ihrer Reise durch alle Level 50 km lang verirrt haben. Ob die mit den kürzesten Strecken wohl hier und da eine Abkürzung genommen haben?

Was mich bei diesen Statistiken am meisten interessiert, ist, ob meine Lara auch gut behandelt wird. Was sich am unterschiedlichen Verbrauch von Medipacks zeigt. Na ja, ob bei demjenigen mit Null Medipacks die Angabe so ganz richtig ist? Zumindest in dem Venedig-Level, an der unsäglichen Stelle (was habe ich geflucht!), an der Lara während des Hebel-Ziehens Feuer fängt und der „Spielspaß“ darin besteht, ob sie es mit dem letzten Funken Leben bis zum Wasserbecken schafft – ich meine, da ging es nicht ohne ein Medipack.

Meine eigenen Spielzeiten sind kaum vorzeigbar. Ich verbringe oft ein Drittel mehr Zeit in einem Level als die meisten Anderen. Vielleicht kann ich ja beim Präsentieren mal mithalten, wenn es eines Tages Mode werden sollte, den geringsten Einsatz von Medipacks für erstrebenswert anzusehen. Ich fürchte, mir fehlt für schnelles Spielen der nötige sportliche Ehrgeiz. Während meiner Schulzeit konnte ich Rennereien auf einem Platz auch nie viel abgewinnen. Ziemlich gut war ich dagegen beim Geräteturnen. Vielleicht mag ich deshalb die Level am liebsten, in denen Lara schön viele Gelegenheiten zum Springen und Turnen hat.

Beim Spielen sehe ich mich gern in jedem Winkel um und bewundere ausgiebig überall die Baukunst. Ich lasse Lara auch auf jeden möglichen Felsen klettern, auch wenn das offensichtlich für den Weg durch den Level nicht nötig ist. Bei mir steht sie auch viel in der Gegend herum, weil ich die Zeit nicht anhalte, wenn ich mir etwas aus der Küche hole, oder mal nachsehe, ob im Garten die Blumen wachsen. Spitze war in dieser Beziehung ein Spieler, der in einem Hilfe-Thread seine Statistik zeigte, die ich da eigentlich gar nicht sehen wollte. Er erzählte dabei, dass die lange Spieldauer daher rührte, dass er bei seiner Schwiegermutter nachmittags zum Kaffeetrinken eingeladen war und vorher vergessen hatte, das Spiel zu stoppen.

So wie es Spieler gibt, die gerne in möglichst langen Leveln möglichst kurze Spielzeiten erzielen möchten, gibt es auch Levelbauer, natürlich nur wenige, die uns gern mit verhältnismäßig geringem Bau-Aufwand möglichst lange in ihrem Level beschäftigen möchten. Besonders Anfänger lassen Lara gern kilometerweit hangeln oder ebenso weit tonnenweise Steinblöcke verschieben oder mehrmals turmhohe Leitern rauf und runter klettern. Sehr unbeliebt sind auch Level von der Sorte: „Wo ist die verdammte Brechstange?“ Man erfährt sehr früh, durch den Anblick dieser hübschen Holzkästen an den Wänden, dass man eine Menge Sterne wird einsammeln müssen. Der Weg von einem Stern zum anderen führt über haarige, blutrünstige Hindernisstrecken. Nach der Besichtigung des dritten Sterns wird man langsam unruhig, weil man ahnt, dass man das alles noch einmal wird abklappern müssen, wenn man hoffentlich bald die Brechstange gefunden hat.

So, genug davon. Jedoch – Sommerloch hin oder her – ein Artikel in der New Tribune sollte ein ernsthaftes Anliegen oder einen ordentlichen moralischen Anspruch haben. Ach, was soll´s. Ob ihr nun gern schnell und sportlich oder lieber langsam und gemütlich spielt – macht es doch, wie ihr wollt!

Herzliche Grüße
Doro

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5 Antworten zu “Spiel-Zeiten”

25 07 2008
Tom (08:24:04) :

Interessante Vergleiche, Doro! Ich gehöre zu den gemütlicheren Spielern. Also meine Lara muss zwar oft genug rennen aber den Level genieße ich trotzdem und stehe wie du auch gern mal so rum. Momentan bin ich seit über 23 Stunden netto bei “Quest of Gold” und habe noch einige Level vor mir. Aber das ist auch eine Serie wo man gern selbst sucht und sich alles genau ansieht, und trotzdem manchmal wichtige Sachen erst im Forum entdeckt. ;) So macht das Spaß. Mein Sommerloch beginnt übrigens morgen. 2 Wochen Urlaub. :)

25 07 2008
quetzalcoatl (22:08:33) :

Ja ja, die Statistiken…
Was mich betrfft: Mich interessieren weder Zeit und Kilometer noch die verbrauchten Medis – Hauptsache, die Spielfreude stimmt. Und Stress gibt’s in anderen Lebensbereichen mehr als genug, weshalb ich beim Spielen gerne darauf verzichte!

26 07 2008
Eva (17:12:46) :

;) Das war bei mir früher ganz anders, wie haben da zu Anfang in einer kleinen Gruppe immer die Level zusammen gespielt und da hatte ich einen ziemlichen Ehrgeiz, schnelle Zeiten hinzulegen und möglichst kaum Medis zu verbrauchen *gg
Damals habe ich immer zuerst mal die Wege erkundet und alles angeschaut, und hab dann die Passagen nochmal in Optimalzeit gespielt.

Naja, das ist schon eine ziemliche Zeit her, ich spiele jetzt keine Stellen mehr neu um eine bessere Zeit zu bekommen, die netten gemeinsamen Spielchen gibts ja eh nicht mehr ;)

28 07 2008
Michael_Mann (13:34:42) :

Tja ich spiele auch eher langsam und schaue mir gerne mal die Details mit an die der Levelbauer verwendet hat. Ich finde das ist ebenfalls Teil des gesamten Spiels und dessen Stimmung. Es macht mir Spaß z.B. mal einen Schmetterling zu sehen, beißwütige Muränen zu erleben oder die japanischen Lampions zu bestaunen.

1 08 2008
Doro (01:09:22) :

Danke für Eure Anmerkungen!
Ich glaube, die Arten, wie man sich durch einen Level bewegt, unterscheiden sich nicht so grundsätzlich. Auch die, die gerne mal auf Zeit spielen, rennen sicherlich nicht nur schnurstracks, mit Tunnelblick, von einem Schlüssel zum nächsten Hebel, sondern sehen sich vorher auch erst mal in Ruhe überall um.

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