Tomb Raider vs. Rollenspiele
Ich wurde neulich von Doro gefragt, ob ich nicht mal erzählen könnte, was mir an Herr der Ringe Online und anderen Rollenspielen (RPG = Role Playing Game) so gut gefällt. Was haben die mehr zu bieten als Tomb Raider, wo liegen die Unterschiede? Kann man das nicht einmal gegenüberstellen? Warum ich persönlich davon so fasziniert bin, kann ich euch gerne verraten – und wo, meiner Meinung nach, die Unterschiede liegen.

Nun, mal sehen… fangen wir mal mit der guten alten Lara an. Was sie zu bieten hat, weiß ja jeder von euch:
- Action (Rennen, Hangeln, Springen, Fahrzeuge benutzen, Balancieren, Kisten schieben etc.)
- Abenteuer (Rätsel, Geschichte)
- Kämpfen (Schießen, Pistolen, Uzis etc. – vorwiegend menschliche Gegner)
Das ist ja alles schön und gut, die Originalspiele sind auch ganz toll gewesen, aber irgendwann ist man damit durch. Die Customlevel leben von der Kreativität der Levelbauer, da gibt es eine Menge mehr Abwechslung. Das kann einen schon ganz schön lange bei der Stange halten als Spieler, 1000 mal Lara und mehr in unterschiedlichen Leveln! Doch was haben Rollenspiele, was Tomb Raider nicht hat?
Die Rollenspiel-Anfänge
Fangen wir mal an bei den ganz normalen Offline-Rollenspielen. Da habe ich einige ausprobiert, und eines davon ist zuerst mein absolutes Lieblingsspiel geworden: Gothic 2! Die Geschichte fing so an: Ein namenloser Held landet mit fast nichts auf einer Insel, und er hat das Gedächtnis verloren. Er fängt also bei Null an, hat keine Waffen und nur einen Lederfetzen am Leib, der sich nicht Rüstung schimpfen kann.
Gothic 2: Der Söldnerhof – Die Söldner sind eine von 3 Fraktionen, für die man sich im Laufe des Spiels entscheiden muss
Rüstung? Lara braucht sowas nicht, die hat nicht einmal eine kugelsichere Weste… aber Moment mal: und wenn sie getroffen wird? Naja, dann sinkt halt ihr Lebensbalken, oder sie wirft ein Medi ein. Aber sie hat keine Einschränkungen dadurch, sie hüpft immer noch topfit durch die Gegend ohne zu humpeln. Die Waffen hat sie schon dabei, alles was sie sonst noch hat und braucht, ist in ihrem Rucksack. Ach ja, bei Rucksack fällt mir gleich was auf: In einem Rollenspiel könnten wir da reinsehen und mit dem Inhalt handeln oder ihn benutzen – das nennt sich dort “Inventar”.
Ok, wir waren bei dem Namenlosen, der schwach und ganz ohne… schwach? Ja, bei Rollenspielen wird die Stärke erst gelevelt, und man hat auch noch nicht alle Fertigkeiten parat. Der Namenlose braucht z.B. einen Lehrer, wo er seine erworbenen Fertigkeitspunkte ausgeben kann, und von dem er lernen kann. Es liegt dann am Spieler, was aus ihm wird, je nachdem welche Lehrer er aufsucht und wieviele Punkte er dafür verwendet: Ein starker Schwertkämpfer mit mäßigen Bogenkünsten, der nebenbei auch noch Taschendiebstahl gelernt hat, zum Beispiel. Also nicht einfach drauflosballern – und meistens spielen solche Spiele im Mittelalter oder in einer fiktiven Welt, da gibt es sowieso keine Gewehre und Pistolen, sondern eher Schwerter und so. Und die Gegner sind meistens Monster oder Tiere, aber natürlich gibts auch Räuber und Diebe und “böse Menschen” wie bei Lara auch.
Unterschiede
Da haben wir ja schon einige Unterschiede. Im Rollenspiel fängt man also klein an und arbeitet sich hoch. Man fragt jemanden nach einer Aufgabe, die etwas einbringt, damit man sich dann mit dem verdienten Gold das Nötige kaufen kann, um es anzuziehen oder ins Inventar zu legen für Notfälle. Diese Aufgaben werden auch “Quests” genannt. Der Namenlose landete bei einem Zauberer im Turm, er quetschte ihn mehr oder weniger freundlich aus, um wieder ein wenig zu erfahren von dem Vergessenen. Freundlich wie der Zauberer war, hat er dem jungen Mann noch einen Knüppel aus Holz mitgegeben, damit er sich gegen Wölfe draußen verteidigen kann. Und so machte er sich auf in Richtung der nächsten Stadt.
Guild Wars: In Städten ist immer etwas los – Hier findet man Questgeber, Läden und Kneipen
Aha, schon wieder etwas Neues: Man kann sich frei bewegen auf einer Landkarte, man geht Richtung einer Stadt. Wie man da hingeht, bleibt einem selbst überlassen, auf dem direkten Weg oder über Umwege. Das heißt, es gibt kein Level im herkömmlichen Sinne, wo alles vorgegeben ist. Der Spieler entscheidet, was als nächstes zu tun ist, er spielt ja die Rolle und es wird ihm nicht nur eine Geschichte erzählt, auf die er nicht einwirken kann.
Auf dem Weg zur Stadt haut er mit dem Knüppel auf Wölfe und Diebe ein. Liegen die am Boden, bleiben keine Waffen oder Medipacks liegen und die Leichen verschwinden, sondern der Held plündert die Leichen. Das nennt man auch “looten”. Der Inhalt der Taschen landet in seinem Inventar, und er kann sehen, was er damit anfangen kann. Und er kann auch Kräuter pflücken auf dem Weg, um später, wenn er ganz viel dazulernt, evtl. selbst Heiltränke herstellen zu können (das sind die Medipacks im Rollenspiel). Es gibt aber nicht nur Heiltränke, sondern meist noch viel mehr, auch Tränkchen für jedes Zipperlein und sogar Zauber.
Gothic 2: Die Zauberei – Hier beschwört der Namenlose Held gerade ein Skelett
Puh, na zaubern kann die Lara nicht, und ein Medipack ist vielseitig. Es füllt ihren Lebensbalken und mehr ist auch nicht nötig. Das ist sehr einfach bei ihr, in Rollenspielen ist es etwas komplizierter, es gibt auch einen Mana-Balken (oder Kraft/Moral je nach Spiel), dafür braucht er auch entsprechende Tränke.
Aber lassen wir den Typen mal weiterlaufen, er kommt also auf dem Weg in die Stadt bei einem Bauernhof vorbei. Da fragt er den Bauern, abgerissen wie er ist, ob er sich durch ehrliche Arbeit etwas verdienen kann, ein wenig Geld oder bessere Kleidung. Denn so kann er sich nirgendwo blicken lassen. Und schon hat er eine Quest/Aufgabe: Er darf Unkraut rupfen auf dem Feld (natürlich gibt es sehr viel mehr und verzwickte Aufgaben, mit der Zeit trifft er viele, die irgend etwas von ihm erledigt haben möchten, wesentlich gefährlichere Dinge). Nach getaner Arbeit bekommt er seine Belohnung und bessere Klamotten, und weiter gehts. Er hätte aber auch den Bauern und die Gehilfen alle niedermetzeln und sich nehmen können, was er braucht. Aber bei Gothic 2 hätte er sich dann seinen Ruf versaut – allein schon, wenn er nur beim Stehlen erwischt worden wäre, hätte ihn jeder in der Stadt verfolgt und verprügelt, mindestens jedoch wäre er im Gefängnis gelandet. Aber nicht in jedem Spiel gibt es ein “Ruf-System”, und der Spieler hat meistens die Wahl. Und unser Namenloser ist ein guter Junge, der würde sowas auch niemals tun.
Gothic 2: Charakter- und Questmenü
Wenn er dann endlich in der Stadt ankommt, hat er schon einiges getan und Erfahrungspunkte gesammelt, sein Level ist gestiegen und er erhält Fertigkeitspunkte, die er bei einem Lehrer ausgibt. Je nachdem, was er werden möchte oder am dringendsten können sollte. Er kann auch einen Beruf erlernen, zum Beispiel Schmied, und mit den geschmiedeten Schwertern Geld machen. Das Geld braucht er wieder für bessere Waffen/Rüstung und für die Lehrer. Wenn er im Level steigt wird er stärker und besser. Und er findet überall Aufgaben – wo er damit anfängt und aufhört und ob er alles macht oder nur dies und jenes, ob er frech auf eine Frage antwortet oder höflich, das bleibt dem Spieler überlassen – je nach Auswahlmöglichkeit.
Da es auch immer mehrere Möglichkeiten gibt, auf Fragen zu antworten, und viele Auswahlmöglichkeiten, ist der Unterschied zu Tomb Raider ganz klar: Man erlebt alles etwas intensiver, und man darf sich mehr Gedanken machen, weil Entscheidungen Folgen nach sich ziehen (fast wie im wirklichen Leben). Freiheit, schöne Landschaften genießen, und die Aussicht darauf ganz groß und stark zu werden, halten einen bei der Stange. Denn dann macht das Kämpfen gleich doppelt Spaß, wenn man richtig stark ist. Und Handwerk, das auch ganz toll sein kann, und das Handeln an sich – in Offline-Spielen nur mit NSCs (Nichtspielercharakteren). In einem Online-Rollenspiel (MMORPG = Massively Multiplayer Online Role-Playing Game) sogar mit echten anderen Spielern.
Gemeinsamkeiten
Was beide Spielarten aber gemeinsam haben, ist, dass es eine “große Geschichte” gibt, die erzählt wird. Meist wird am Ende “die Welt gerettet” oder so. Bei Tomb Raider, dem Action Adventure, wird sie einfach erzählt und man muss dem Spielverlauf folgen, und bei einem Rollenspiel hat der Spieler mehr Einfluss darauf, ist ein Teil davon, weil er sich mit der Figur etwas besser identifizieren und mehr in die Handlung eingreifen kann durch seine eigenen Entscheidungen. Wie Lara Croft sich entscheidet, ist vorgegeben, es gibt meist nur einen Weg, der zum Ziel führt. Unser Held aus Gothic 2 hat bereits bei Ankunft in der Stadt wieder mit diversen Problemen zu rechnen und muss sich etwas einfallen lassen, denn es gibt mehrere Möglichkeiten ans Ziel zu kommen. Und wie dem Held aus Gothic 2 ergeht es auch anderen Helden aus anderen Rollenspielen (The Elder Scrolls IV: Oblivion, Drakensang, u.v.m.)
TESIV Oblivion: Ausblick – Die Sichtweite ist enorm, nur die Texturen werden bei zunehmender Entfernung schwammig. Der aktuellste Patch verbessert das.
Und Online-Rollenspiele?
Da darf man sich seinen Charakter meistens selbst erstellen, allein darauf kann man eine Menge Zeit verwenden. Welche Frisur, eine Frau oder einen Mann, welches Aussehen, welche Klasse? Man hat die Wahl, jede Entscheidung hat Vor- und Nachteile – naja, zumindest bei der Klassenwahl. Spiel ich lieber einen Nah- oder einen Fernkämpfer? Möchte ich kämpfen oder zaubern? Schwert, Axt oder Dolch? Möchte ich ein Heiler sein?
Diese Spiele haben noch zusätzlich den Vorteil, dass andere Spieler ebenso wie man selbst in derselben Welt (gleicher Server) umherlaufen und ihre Quests erledigen, leveln, handwerken und kämpfen. Und nicht nur NEBEN einem, sondern auch MIT einem: Man kann Gruppen bilden und sich gemeinsam an Aufgaben heranwagen. Man trifft andere Leute, und man kann sich unterhalten und zusammen Spaß haben. Entweder über das Chatfenster schriftlich, das meist links unten im Bild ist, oder man unterhält sich per Headset über TS (Teamspeak) oder Skype. Man rennt zusammen rum, handelt miteinander, kämpft miteinander oder auch mal gegeneinander (PVP/Player vs Player), um seine Kräfte zu messen. Und es gibt kein “Game Over”, wenn man stirbt, wird man einfach “wiederbelebt”.
Guild Wars: Abenteurer – Gemeinsam mit Freunden macht das Monsterkloppen doch gleich viel mehr Spaß
Es gibt einen Handlungsstrang, der die “große Geschichte” erzählt, und nebenbei viele viele kleine Geschichten, die man sich aussuchen und die man erleben kann. Man muss nicht speichern. Wenn man das Spiel verlässt, bleibt alles bis zum nächsten Einloggen erhalten, und man steht noch dort, wo man zuletzt gestanden hat. Man kann Titel erringen und sich so Ansehen erwerben. So ein Spiel scheint nahezu unendlich zu sein, man kann zumindest Jahre zubringen, bis man wirklich alles gesehen oder erledigt hat. Die Welt ist groß und wunderschön, und in Herr der Ringe Online gibt es ähnlich wie bei Gothic 2 auch einen Tag/Nacht- und Wetterwechsel, Städte und begehbare Häuser. Die Grafik ist auch sehr schön. Und man hat eine Menge Ziele, es gibt immer Herausforderungen genug.
Herr der Ringe Online: Das Wetter – Immer für eine Überraschung gut
Gemeinsam spielen
Das ist für mich der größte Vorteil: Während wir Tomb Raider jeder für uns spielen, oder auch Gothic 2, und uns im Forum Screenshots posten, können wir hier in einem Online-Rollenspiel wirklich zusammen etwas unternehmen. So wie ich es in Herr der Ringe Online und Guild Wars tue. Es ist zwar nicht die reale Welt, aber es stehen reale Personen hinter jedem Spieler, mit denselben Freuden und Sorgen. Und es ist egal, ob man in München, Berlin, in Österreich oder auf Teneriffa wohnt, man kann sich treffen und seine Freizeit zusammen verbringen und richtige Abenteuer in einer tollen Umgebung erleben. Zumindest mit seinem Alter Ego, der Spielfigur. Gemeinsam macht halt auch das Spielen gleich mehr Spaß, und man lernt nette Leute kennen und knüpft Freundschaften! Da spreche ich aus Erfahrung, und ich möchte nicht mehr darauf verzichten. Auch wenn ich weiterhin ab und zu Zeit finde für die gute alte Lara
Und hier noch eine Runde Screenshots aus Herr der Ringe Online, wer mag, darf klicken:















Also Gothic 2 und Risen sind für mich die besten Rollenspiele aller Zeiten.
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Jedoch kommt im Laufe des Jahres auch noch Arcania a Gothic Tale.
Das wird bestimmt ebenfalls sehr gut